Was passiert in den Schlafzimmern der Welt? Die Franzosen haben ihren Status als Liebesnation längst verloren: Die Griechen und Brasilianer haben weltweit am häufigsten Sex. Deutschland rangiert im Mittelfeld.

 

Forschungsobjekt Sextrieb. Noch nie wurde die Frequenz des Akts so ordentlich gemessen wie in den vergangenen Jahren. Unermüdlich versuchen Sexualforscher das, was normal ist oder dafür gehalten wird, zu dokumentieren: So haben die Deutschen 117 Mal Sex die Deutschen im Jahr, besagt die neue Studie eines Kondomherstellers. Dass die Rheinland-Pfälzer sich am häufigsten lieben und die Sachsen dagegen das bundesdeutsche Schlusslicht der Koitus-Rankingskala bilden, ist die aktuellste Enthüllung.

Man könnte meinen, Sexualität würde weltweit eine ähnlich große Rolle spielen, doch weit gefehlt: Die verschiedenen Länder unterscheiden sich nicht nur sehr in der Häufigkeit des Sexualverkehrs, sondern auch in der Bedeutung, die sie dem Sexualakt zukommen lassen. Wir haben uns für Sie mit dem Sexualverhalten der unterschiedlichen Länder befasst.

 

Wie oft haben Menschen Sex?

 

Zum Thema „Wie oft haben Menschen Sex?“ drängt sich der vielzitierte Spruch auf: „Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.“ Nichtsdestotrotz tauchen immer wieder Reports auf, welche sich damit beschäftigen, wie oft Menschen Sex haben. Besonders beliebt dabei sind Ländervergleiche. Wem also trauen? Zu den verlässlichsten Quellen zählen wohl das Kinsey-Institut sowie Studien des Kondomherstellers Durex (Global Sex Survey).

Das Kinsey-Institut der Universität Indiana (USA) erforscht seit über 60 Jahren sexuelles Verhalten des Menschen. Gemäß den Kinsey-Forschern ist die Häufigkeit sexueller Aktivität vor allem von zwei Faktoren abhängig:

 

Eine Frage des Alters

  • • 18- bis 29-Jährige geben an, im Durchschnitt 112 Mal pro Jahr Sex zu haben
  • • 30- bis 39-Jährige durchschnittlich 86 Mal pro Jahr
  • • 40- bis 49-Jährige im Schnitt 69 Mal pro Jahr

 

Eine Frage des Beziehungsstatus 

  • • Verheiratete oder in fester Beziehung lebende Männer und Frauen
  • • Unverheiratete Männer und Frauen (bzw. Singles)

 

Welches Land hat am häufigsten Sex?

Studien zufolge passiert es in griechischen Schlafzimmern am häufigsten: 164 Mal geht es in hellenischen Betten pro Jahr zur Sache. Die Brasilianer werden ihrem Image als „Latin Lover“ ebenfalls gerecht und kommen mit durchschnittlich 145 Liebesakten im Jahr auf Platz Zwei. Die Deutschen lieben sich immerhin 117 Mal im Schnitt und landen im Mittelfeld. Die Schweizer verhalten sich mit 103 Mal landestypisch eher neutral. Wenig gibt es dagegen von japanischen Futons zu melden: Wie auch schon in den Jahren zuvor bildet Japan das Schlusslicht mit lediglich 48 Mal Sex. 

 

Sex Report: Wie wichtig ist Sexualität?

Der Stellenwert, dem Sexualität in den verschiedenen Ländern beigemessen wird, ist sehr unterschiedlich. Die Griechen legen am meisten Wert darauf. 80 Prozent empfinden Sex als wichtig oder sehr wichtig. Auch in Polen und Brasilien (je 79 Prozent) spielt der Liebesakt eine große Rolle. Mit 59 Prozent liegen die Deutschen im Mittelfeld. Thailand und Japan bilden das Schlusslicht. Hier empfinden nur 38 Prozent Sexualität als wichtig.

 

Wer hat die meisten Sexpartner?

Über die Anzahl der Sexualpartner wird oft gelogen. Oft übertreiben Menschen, wenn sie über die durchschnittliche Anzahl an Sexualpartnern reden. So liegt der Durchschnitt bei rund 7,3 Bettpartnern laut Sex-Report.

In beinahe allen Ländern in denen Untersuchungen durchgeführt wurden, scheint es so, dass Männer öfter Sex haben als Frauen. Männer haben in ihrem Leben durchschnittlich 7,9 Sexualpartner gehabt. Frauen hingegen haben nur mit 6,8 anderen Menschen geschlafen. Allein in Neuseeland scheint es so zu sein, dass Frauen öfter Sex haben als Männer.

Im Vergleich mit anderen Ländern ist Deutschland mit einem Durchschnitt von 7,3 Sexualpartnern nur Mittelmaß. Die Franzosen nehmen mit 17 Sexualpartnern pro Person dagegen die Spitzenposition ein. Das monogamste Land scheint Indien zu sein. Hier haben Menschen im Durchschnitt nur 1,8 Sexualpartner.

 

Sex-Report: Wie lange dauert der Liebesakt?

Nigerianer nehmen sich am meisten Zeit für den Geschlechtsverkehr. Hier dauert das Schäferstündchen durchschnittlich 24 Minuten. Auch Griechen beweisen mit 22,3 Minuten Geduld. In Deutschland dauert das Liebesspiel 17,6 Minuten. Inder sind durchschnittlich am schnellsten und nehmen sich gerade mal 13,6 Minuten Zeit, um mit dem Partner zu schlafen. "Gewonnen" hat Australien: 10 Prozent der Bevölkerung begrenzt ihr Vorspiel auf schlappe zehn Minuten.

 

Wer spricht am offensten über Sex?

In Mexiko ist man besonders aufgeschlossen. 80 Prozent gaben an, mit ihrem Partner über Sex reden zu können. Auch die Griechen sind nicht auf den Mund gefallen. 76 Prozent sprechen mit ihren Partnern über alles rund um das Thema Sexualität. Die Deutschen befinden sich mal wieder im Mittelfeld. 56 Prozent sprechen mit ihrem Partner über Sexualität. In Japan ist das Thema eher tabu. Der Sex-Report zeigt: Nur 21 Prozent thematisieren, was in ihren Schlafzimmern passiert.

 

Top 3 der weltweiten Höhepunkte im Sex-Report

Obwohl die Griechen die eifrigsten Liebhaber sind, schaffen sie es nicht unter die Top 3 der weltweiten Höhepunkte. Hier sagen nämlich 66 Prozent der Mexikaner, Südafrikaner, Italiener und Spanier, immer – oder zumindest fast immer beim Sex zum Höhepunkt zu kommen. Deutschland scheint das Dauerabonnement fürs Mittelmaß zu haben: Auch in puncto Höhepunkte platzieren sich die Deutschen  mit 55 Prozent Orgasmushäufigkeit in der goldenen Mitte hinter der Schweiz und den Niederlanden.

 

And the winner is...

 

Wie unschwer zu erkennen ist, hat Sexualität einen sehr unterschiedlichen Stellenwert in den verschiedenen Ländern. Es lässt vermuten, dass die jeweiligen Faktoren wie Dauer, Häufigkeit, Thematisierung und Wichtigkeit einander bedingen. Die Griechen scheinen dem Sex den größten Stellenwert einzuräumen. Sie sprechen gerne darüber, schlafen oft mit ihren Partnern und empfinden Sexualität als überaus wichtig.

Ganz im Gegensatz zu den Japanern: Die thematisieren ihr Sexualleben kaum, tun es nicht häufig und messen dem ganzen auch nicht allzu viel Bedeutsamkeit zu. Ob sie Sex weniger wichtig finden, weil sie weniger Sex haben, oder umgekehrt, ist dabei schwierig zu klären. Deutschland hat sich in allen Kategorien in der goldenen Mitte platziert.

 

Übrigens: Zweisamkeit liegt weltweit voll im Trend

Am zufriedensten mit ihrem Sexleben sind weltweit 86 Prozent der Männer und 81 Prozent der Frauen, wenn sie mindestens einmal pro Woche Sex haben. Am besten mit einem festen Partner: Jeder Zweite ist in einer festen Beziehung mit seinem Liebesleben zufrieden. Der Sex-Report zeigt, dass Singles dagegen eher auf der Strecke bleiben – nur 27 Prozent von ihnen geben an, sexuell zufrieden zu sein. Denn gut jeder Dritte findet Sex dann am schönsten, wenn er romantisch und zärtlich ist und aus Liebe passiert.